Wenn mehr Wachstum einfach nicht genug ist…

Der Wirtschaftswachtumswahnsinn hat Methode – und durchdringt jeden Lebensbereich. Alles soll wachsen, Stagnation ist keine Option. Wohin das führt, scheint eine Frage zu sein, die entweder erfolgreich verdrängt wird – oder gar nicht erst aufkommt. Hier steht sie nun also…

Dawn of Growth

Zwei von fünf Tagen deGrowth im September zusammen mit rund 3.000 Menschen in Leipzig haben Eindruck hinterlassen. Eine vielfältige, streitbare Zusammenkunft von Vertretern dessen, was vielleicht einmal eine Postwachstumsgesellschaft genannt worden sein wird, teilte Ideen, Erfahrungen – ein Gefühl des Zusammenwirkens.

Von Welzer, Paech und Schneidewind zu Schneider (Frankreich), Martinez-Alier (Spanien), Bonauiti (Italien) – Namen auf Buchrücken bekamen hier Gesichter; Gesichter dieser langjährigen Aktivist_innen, die fraglos ihre Öffentlichkeitswirksamkeit nicht als Last empfinden und deren Münder alles andere als wortkarg mikrofonisch zu kommunizieren wissen.

Altersgruppenübergriffig erschien die Frage nach dem, was either by design or desaster auf den „Turbokapitalismus“ und das Thatcher’sche TINA-Dogma (There Is No Alternative, ggf. zu ergänzen um: To Growth) folgen könnte/sollte/müsste ganz offenkundig. Wenn sich auch damit zusammenhängende Fragen eher häuften und vertieften, dann ist das eher als eine motivierende Bewusstseinserweiterung denn als zunehmende Verkopfung zum Schaden der Tat zu verstehen.

Besonders intensiv und im Wortsinn nachhaltig fallen fast immer auf solchen Großveranstaltungen die Gespräche abseits von Panels, Workshops etc. aus – so auch hier. Der persönliche Antrieb, die eigenen Erfahrungen mit der Implementierung und den Implikationen einer konsequenteren kritisch-politischen Verbraucherhaltung mit Postwachstumsperspektive – all dies kam so ausführlich zur Sprache.

In einem Flurgespräch verbreitete sich die schöne Erzählung über eine vielleicht 20-Jährige, die jemandem am Handy mitgeteilt hätte, sie habe auf dieser Konferenz „ihren Glauben wiedergefunden“. Was dieser „Glauben“ genau umfasst, bleibt das Geheimnis dieser jungen Frau. Und uns könnte diese kleine Geschichte bestärken, vor Ort Communities of Practice zu bilden, die die deutsch-britischen neoliberalen „Alternativlosungen“ einer Thatcher der 80er sowie einer post-millennialen Merkel ganz praktisch widerlegen. Auch abseits einer gewaltigen Konferenz, die von Jahr zu Jahr wächst – obwohl ihr Name doch etwas gänzlich anderes proklamiert.

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