Unsere Welt – und wie sie im FUTURZWEI gewesen sein wird

Bücher sind Medien, die Fragen aufwerfen und uns gleichzeitig der Beantwortung ein Stück näher bringen können. Den SoliBlog-Autor bewegende Fragen trafen auf ein Werk von Harald Welzer, das dem Leser bzw. der Leserin fragwürdig-spiegelnde Vorhaltungen macht…

Harald Welzer: Selbst Denken. Eine Anleitung zum Widerstand. S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main, März 2013. 336 Seiten, 19,99 €.

Im absolut positiven, selbstreflexiven Sinne, versteht sich. Auf 336 Seiten (mit nicht viel weniger Fußnoten) überschreitet er die „Komfortzone“, in der er den Leser bzw. die Leserin (aller Wahrscheinlichkeit nach) anzutreffen gedenkt und aus der er ihn/sie zu bewegen gewillt ist.

Das ruft erst einmal Widerstände ganz anderer Art auf den Plan:
Er hat schon ganz Recht mit seiner Beschreibung dessen, was meine Sozialisation in der „Wachstumsökonomie“ und deren destruktive Folgen betrifft… aber will ich mir das vom Soziologen/Sozialpsychologen Welzer in dieser Deutlichkeit vor Augen führen lassen?

Eine zweite Aufklärung (Kant lässt uns grüßen und fragen, ob wir uns eigentlich unseres eigenen Verstandes mutig bedienen oder uns bedienen lassen) unter gänzlich anderen Voraussetzungen und eine Widerstandsbewegung der schichtvergessenen 2-3 Prozent (klingt irgendwie machbarer als die „99 %“ ins Occupy-Camp zu locken) gegen ein expansives, globalisiertes Kulturmodell, welches die Zukunftsfähigkeit der heute lebenden Generation nicht abruft und auf ihr implizites Einverständnis baut, während es die Lebensgrundlagen der nachfolgenden Generation vollumfänglich riskiert, um einen inhumanen (aber eben so bequemen) Status Quo zu sichern – um nicht weniger geht es.

Wenn im stark individualisierten Handlungsspielraum ein Sandkasten mit Seltenen Erden aufgebaut wurde und derartig viel Spiel- und Werkzeug sowie Elektronik aus dem Reich der Mitte herumliegt, dann liegt es nahe, dass man sich von einem suggerierten Bedürfnis ins nächste stürzt. Dabei lässt sich leicht übersehen, dass der momentan gewohnheitsmäßig bewohnte Raum des Handelns weit mehr fasst und auch noch andere Räume zugänglich wären.

Welzer stellt mit seinem Buch den Fuß in die Tür zu diesen Räumen in der Gesellschaft und ruft uns immer wieder dazu auf, eine Vision einer möglichen Zukunft im Futur II zu formulieren (d.h. als in der Zukunft abgeschlossene Handlungen) und unsere eigenen Erfahrungen mit den Schritten hin zu einer solchen Zukunft zu sammeln. Um dann uns zu sammeln. Um Bewegung in etwas zu bringen, das eine Postwachstums-, Gemeinwohl- oder auch Solidarische Ökonomie genannt worden sein wird, in der Nachhaltigkeit wie Verzicht eingeübt worden sein werden. In diesem Sinne:

Lasst uns uns ernst nehmen, nicht mehr einverstanden sein und schließlich widerstehen, um unsere Handlungsspielräume vollends auszureizen und insgesamt ungewöhnlicher zu gestalten!

Auf dass wir unsere lebenswerte gemeinsame Zukunft schon heute in unsere Hände genommen haben werden!

Einiges wurde bereits angestoßen und wartet auf Eure aktive Beteiligung:

  • demokratisch vereinbarte Regionalwährungen – Beispiel: Regiogeld
  • genossenschaftliche, sozial-ökologische Banken – Beispiel: GLS
  • Energiegenossenschaften – Beispiel: EWS
  • Tageszeitungen, die in der Hand ihrer Leser dem Sterben im Blätterwald entgehen können – Beispiel: taz
  • aktuelle Entwicklungen hin zu einem fairen, genossenschaftlich organisierten Online-Marktplatz Beispiel: Fairnopoly

Vieles jedoch bleibt offen für Eure kreativen Ideen, Feldversuche und Widerstandsnester – und ich würde mich freuen, (vielleicht schon in den Kommentaren unter diesem Artikel) davon zu lesen oder zu hören!

[PS: Ihr findet hier keinen Link zu einem internationalen Online-Anbieter u.a. für Bücher wie das o.g., weil das einem Sich-Einverstanden-Erklären gleich käme und Widerstand das Gebot der Stunde ist. Bibliotheken in Eurer Nähe dürften es mit ziemlicher Sicherheit in den Regalen haben. Und wenn ihr das Buch käuflich erwerben möchtet, dann sei Euch der Weg zum Buchändler Eures Vertrauens nahe gelegt.]

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Ein Kommentar zu “Unsere Welt – und wie sie im FUTURZWEI gewesen sein wird

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